Was meinen wir, wenn wir 'Klimakrise' sagen?

Was meinen wir, wenn wir 'Klimakrise' sagen?

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# Aktuelles

Was meinen wir, wenn wir 'Klimakrise' sagen?

Tom Gidlow, Fachstelle Klimaschutz:

Treibhausgaseffekt. Globale Erwärmung. Klimawandel. Klimakrise. Als Mitarbeiter in der Fachstelle Klimaschutz der Lippischen Landeskirche und ehemaliger Aktivist bei Extinction Rebellion, habe ich seit Jahren fast jeden Tag zumindest eine dieser Begriffe gehört. Ich vermute, dass Ihnen diese Worte auch relativ häufig begegnen, wenn nicht jeden Tag. Die Unterschiede zwischen den Begriffen können klein aber fein sein, und die technische, praktische und politische Bedeutung und Nutzung haben eine Tendenz, sich auch im Laufe der Zeit zu ändern. Worte sind aber wichtig und es lohnt sich deswegen, ab und zu näher hinzuschauen. 

Als Englischmuttersprachler, der in Deutsch arbeitet, hoffe ich, dass ich Ihnen hier eine interessante Perspektive auf diese Klimasprache übermitteln kann. Ich fange gern mit ein paar kurzen Begriffserklärungen an. 

Treibhausgaseffekt - Das Verhältnis zwischen atmosphärischem CO2 und der durchschnittlichen Temperatur. Dieses Verhältnis ist seit mehr 150 Jahre weit und breit anerkannt worden. Der Begriff selbst kam 1901 aus der englischen Sprache.

Globale Erwärmung - Der menschengemachte Anstieg der Durchschnittstemperatur der Erde, die seit der Industriezeit stattfindet. Die Forschung, die eine globale Erwärmung bestätigt, war bis in die siebziger Jahre als reiner Fachbegriff tituliert. Erst seit den Achtzigern wird er zunehmend im Alltag genutzt. Gleichwohl diese Begriff noch häufig auf Deutsch benutzt wird, klingt er in Fachkreisen und in vielen der anderen Fremdsprachen jetzt ziemlich altmodisch.

Klimawandel - Eine Änderung des globalen oder eines lokalen Klimas. Klimawandel und der englische Begriff 'Climate Change' wird seit den Achtzigern auf Deutsch benutzt und ist aktuell der am häufigsten benutzte Klimabegriff. Im Gegensatz zu 'Globale Erwärmung' umfasst Klimawandel die umfangreichen Änderungen, die stattfinden können. Auf Englisch wird der Unterschied zwischen Globale Erwärmung (Global Warming) und Klimawandel (Climate Change) manchmal als Global Weirding (Globale 'Fremdung') bezeichnet.

Klimakrise - Die gegenwärtige und menschengemachte Änderung des globalen Klimas. Oft als 'Klima- und Naturkrise' benannt, um den Verlust der Biodiversität und Artenvielfalt umzufassen. Diese und äquivalente fremdsprachige Begriffe werden seit dem Jahr 2000 und besonders seit 2015 immer häufiger benutzt, vor allem, weil sie die aktuellen Änderungen des Klimas beschreiben und weil "Krise" den Stand besser als "Wandel" spiegelt. Es ist der Begriff, den wir in der Fachstelle Klimaschutz nutzen. 

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Die Erfindung und immer häufigere Nutzung dieser Begriffe verdeutlicht die wachsende menschliche Fähigkeit, das historische, gegenwärtige und zukünftige Klima zu beschreiben und damit das Bewusstsein des Standes der aktuellen Klimakrise zu verbalisieren. Der Stand ist leider in aller Ehrlichkeit schlimm und wir erleben bereits jetzt die direkten Folgen. 

Die gute Nachricht ist, dass eine überwältigende Mehrheit der Weltbevölkerung etwas tun wollen. Die Nutzung dieser Klimabegriffe verdeutlicht nicht nur ein Bewusstsein, sondern auch den Wille zu Aktionen. Die Aktionsbegriffe sind auch so unterschiedlich wie die Klimabegriffe und sind gleich so vom Englischen geprägt, darunter Rewilding (Renaturierung), Active Travel (aktive Mobilität), Net Zero (Klimaneutralität) und Climate Justice (Klimagerechtigkeit). Es gibt auch vielfältige Begriffe der deutschen Klimabewegung, die ich sehr mag. Energiewende ist mein Lieblingswort davon. 

Aktionsbegriffe greifen Klimabegriffe auf und spiegeln ein Klimabewusstsein wider. Diese führen auch zu Klimasiegen. Das Ozonloch ist seit mehr als fünf Jahren geschlossen. Das jährliche Wachstum der Solarenergie übertrifft selbst die optimistischsten Prognosen von vor einigen Jahren, einschließlich derer der IEA (International Energy Agency). Das Oder-Delta ist wieder Heimat von Elchen und Wisenten. Mein Land, das Vereinte Königreich, hat zum erstem Mal seit ungefähr 400 Jahre wieder Biber. 

Wir reagieren völlig zu Recht entsetzt auf Prognosen einer durchschnittlichen Erwärmung von 2-3 Grad, sollten aber auch erkennen, dass wir heute fast nie mehr von 5-6 oder gar 8 Grad Erwärmung sprechen, wie es noch vor 20 Jahren der Fall war. Die veränderten Klimamodelle haben das nicht verursacht, sondern wir haben es.

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Es gibt noch einen Begriff, den wir nicht thematisiert haben, Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit als Begriff ist jetzt so stark mit Politik und Werbung verbunden, dass wir oft vergessen, was er bedeutet. Etwas ist nachhaltig, wenn es für die Ewigkeit gemacht werden kann oder soll. 

Nachhaltigkeit verhält sich anders zu den zuvor genannten Begriffen, weil er ein Ziel und nicht ein Problem beschreibt. Stellen Sie einmal vor: Sie stehen vor Ihrem Gemeindehaus, was, dank einer Wärmepumpe, warm im Winter und kühl im Sommer ist. Sie müssen sich über die Kosten keine Sorgen machen, wegen Ihrer PV-Anlage. Vielleicht gehört Ihre Kirchengemeinde sogar zu einer Energiegenossenschaft. Sie hören Vögel, Insekten und Trippeln von Ihrem lebendigen Gemeindegarten, wo Erwachsene sich gern in der Natur entspannen. Kleinkinder spielen auch im langen Gras und versuchen, Schmetterlinge zu fangen. Die Konfi-Gruppe baut Fledermauskästen und bespricht die Bewährung der Schöpfung mit der Pfarrerin. Die Jugendlichen und auch die Kleinkinder sind mit Fahrrädern gekommen, was nur möglich war, weil es jetzt so wenig Autoverkehr gibt. Die Reduzierung des Autoverkehrs ist eigentlich der Grund dafür, dass Sie es alles so gut hören können. 

Um auf die Klimakrise zu achten, müssen wir viel mehr tun, als das Problem zu beschreiben. Wir müssen uns auch nach den Zielen und der Nachhaltigkeit orientieren. Wir müssen fragen, was können wir für die Ewigkeit machen?

Möchten Sie den nächsten Schritt machen? Nehmen Sie Kontakt mit der Fachstelle  Klimaschutz auf: klimaschutz@lippische-landeskirche.de

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